Standort mit Geschichte

1901, im Gründungsjahr des Betriebes, betrug der Milchpreis zwischen sechs und acht Pfennig pro Liter. Damit deckte er nicht die Selbstkosten der Milchbauern. Hugo Farny, der Vater des späteren Reichstagsabgeordneten Oskar Farny, forderte die Bauern im württembergischen Allgäu zur Selbsthilfe auf. Das Ergebnis der Überlegungen waren die Vereinigten Käsereien des Württembergischen Allgäus Dürren, kurz VKD genannt.

Durch den steigenden Bedarf wurde bereits 1907 beschlossen, ein Zentrallager einzurichten. Hugo Farny stellte hierfür sein am Bahnhof Ratzenried gelegenen Bierkeller zur Verfügung. Mit dem Bezug des Lagerkellers im Jahre 1908 ist erstmals von einem Salzer & Kübler Georg Laub die Rede, der für 11 Mark mtl. tätig wurde. 1911 folgte der erste Telefonanschluss. 1919 wurde der Betrieb im Zentralkeller um eine Wohnung für den Salzer erweitert.

Der Beitritt weiterer Genossenschaften und somit die Grenze der Lagerkapazitäten, wurden 1952 mit einem Erweiterungsbau in Angriff genommen, der 1953 fertig gestelt wurde. 1957 zählte der Verband 59 kleine Sennereien. Aus Zusammenschlüssen und Verschmelzungen wuchsen rationalisierte Großkäsereien, denen sich im Laufe der Jahre andere Liefergruppen und Genossenschaften angliederten. Durch weitere Rationalisierungen und Zusammenlegungen zu Großbetrieben kam es 1964 zum Bau eines weiteren Zentralkellers.

In einer Festschrift von 1975 hieß es: Stattlich aber nicht protzig steht heute das Gebäude des Zentrallagers VKD auf grüner Anhöhe über der Bundesstrasse. 1988 wurde aus der VKD die Allgäuland-Käsereien GmbH. Mit Allgäuland und Bergbauern wurden innovative Produkte und Spezialitäten entwickelt, darunter auch eine der ersten Reibkäsemischungen überhaupt. 2009 beschäftigte das Unternehmen 386 Personen, davon 40 Auszubildende.

Im Jahre 2011 wurde das Unternehmen von arla Foods übernommen, in dessen Umbruch 2012 beschlossen wurde Quark, Joghurt oder auch Milch werden ab sofort nicht mehr hergestellt. Wenig später verschwanden Allgäuland und dessen jahrzehntelange Mitarbeiter ganz aus der Wangener Landschaft.

Mit der Übernahme des Firmengeländes am 1. Mai 2015 durch die Firma Heine aus Wangen, kommt nun neues Leben in die alt ehrwürdigen Hallen. Das Gebäude wird zum Gewerbepark umsaniert und erneuert, der Markenname "Allgäuerland Gewerbepark" steht für ein ganzheitliches Gewerbe Konzept im Grünen. Im neuen Gebäude findet sich ein bunter Mix aus regionalen Mietern, innovativen neuen Angeboten wie ein SelfStorage und eine attraktive Lagerfläche für Speditionen und Firmen.

Wangener Wirtschaft heute

Auch wenn weithin sichtbare Landmarken der frühen Industrialisierung noch mancherorts das Stadtgebiet formen, so ist das Bild der heutigen Unternehmenslandschaft in Wangen doch eher von einem mittlerweile weitgehend vollzogenen (Struktur-) Wandel geprägt. Hochkanal, Eisenbahntrasse und letzte verbliebene Schornsteine haben sich in ihrer Funktion gewandelt. Relevante wirtschaftsnahe Infrastrukturprojekte markieren heute Autobahnauffahrten, Breitbandtrassen und die Reaktivierung von Gewerbeflächen. Der unternehmerische Bestand zeichnet sich aus, durch einen gesunden Branchenmix aus modernen Industriebetrieben, traditionsreichem Handwerk sowie vielseitige Handels- und Dienstleistungsunternehmen, die jeweils zu etwa einem Drittel die rund 10.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Wangen beschäftigen. Das Pendlersaldo ist dabei (mit +384) nach wie vor positiv.  Die Arbeitslosenquote gehört im Jahresdurchschnitt zu den niedrigsten in ganz Deutschland.

Markant ist die Heterogenität der insgesamt mehr als 2500 gemeldeten Gewerbe in Wangen. Die gewachsene Unternehmensvielfalt reicht vom Behälter-, Maschinen- und Fahrzeugbau über die Elektrotechnik- und Feinmechanik bis hin zur Holz-, Kunststoff-, Lebens- und Verpackungsmittelproduktion. Bezüge zur Land- und Milchwirtschaft (Primärer Sektor) lassen sich häufig aber nach wie vor, auch aus jüngeren Firmenhistorien wie z.B. im Bereich der erneuerbaren Energien, ableiten. Die ursprüngliche Regionalität der wirtschaftlichen Bezüge ist insbesondere im Bereich der produzierenden Unternehmen dabei längst globalen Wirtschaftsverflechtungen gewichen. Wie in einer Gegenbewegung vollzieht sich parallel zur unternehmerischen Öffnung - hin zu weltweiten Einkaufs- und Absatzmärkten - auf lokaler Ebene auch eine Rückbesinnung und –verdichtung, mit dem Fokus auf vorhandene und bewährte Einheiten.

Nicht zuletzt aufgrund knapper werdender Flächenressourcen ist die angestrebte Reaktivierung der ERBA-Brache durch die Ausrichtung der Landesgartenschau Baden-Württemberg im Jahr 2024 ein selbstverständlicher Ausdruck dieser Entwicklung. Das klare Bekenntnis zu einer vorrangig zentrenorientierten Handelspolitik ein weiteres Merkmal. Der innerstädtische Handel weist nach wie vor einen hohen Anteil an inhabergeführten Geschäften aus. Eine Konstellation, mit der sich Wangen über den Städtetourismus auch Kaufkraft aus den Ballungszentren und aus dem benachbarten Ausland erschließt. Die strategische Ausrichtung der neu geschaffenen, städtischen Wirtschaftsförderung ist demgemäß auch weniger am Bemühen um große  Unternehmensansiedlungen orientiert, als vielmehr in der erfolgreichen Begleitung von Bestandsexpansionen am angestammten Standort. Auf diese Weise konnten Arbeitsplatzverluste z.B. durch die Standortverlagerung der Firmen Dachser und bel Adler in der jüngeren Vergangenheit mehr als kompensiert werden. Die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt haben sich seit 2004 mehr als verdoppelt.

Mit der vorrangigen Entwicklung vorhandener Potenziale geht auch ein bewusstes Standortmarketing auf der Grundlage „weicher“ Standortfaktoren ein Einklang. Die hohe Lebensqualität und die erlebnisreiche Mischung aus attraktiver Stadt und intakten Naturräumen, sind  ein Mittel in der Werbung um gesuchte Fachkräfte für den Wirtschaftsstandort Wangen. 

Pressestimmen

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Medien: Interesse an Flächen im „Allgäuerland“ ist groß

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Ende Januar hatte das Haslacher Logistik- und Reiseunternehmen Heine das frühere Arla-Gelände an der Landesstraße 320 in Ahegg der Stadt abgekauft. Im...

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An der A 96 entsteht der Gewerbepark „Allgäuerland“

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